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Chronik 2003



6. Hans-von-Zons-Turnier ein voller Erfolg

Frauenringen präsentierte sich zu Pfingsten auf höchstem Niveau


Das Pfingstwochenende ist für viele Ringerinnen im In- und Ausland inzwischen fest mit dem Hans-von- Zons-Turnier des AC Ückerath verbunden. Trotz der bewussten Einschränkung der Altersklassen kamen fast 200 Ringerinnen aus zehn Nationen in die Dormagener Dreifachturnhalle an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, um sich im vorolympischen Jahr mit der internationalen Spitze zu messen.

Das Teilnehmerfeld las sich dann auch wie ein who is who des weiblichen Ringens: Bundestrainer Jürgen Scheibe hatte eine Mannschaft von immerhin 31 Ringerinnen nominiert, bei denen neben der aktuellen Welt- und Europameisterin Brigitte Wagner, Sigrun Dobner und Alexandra Demmel (beide amtierende 3. EM), die Ückerather Vizewelt- und -europameisterin von 1998 Stéphanie Groß, Christina Oertli (amtierende 4. EM), Europameisterin Anita Schätzle und die mehrfache Welt- und Europameisterin Nina Englich sowie fast alle anderen Mitglieder des Nationalkaders vertreten waren. Für Norwegen starteten unter anderem Europameisterin Lene Aanes, Ine Barlie und Gudrun Hoie. Schweden hatte Sara Eriksson (zurzeit 3. EM), Ida Hellström (mehrfache Vizewelt- und -Europameisterin), und Ida-Therese Karlsson (amtierende 3. WM) mitgebracht. Die weiteste Anreise hatte die Mannschaft aus Kanada: Mit ihr kamen die mehrfache Welt- und Europameisterin Christine Nordhagen, Belisle Lindsay (aktuelle 4. WM) und Viola Yanik, die bereits im Vorjahr in Dormagen beeindruckte. Vize-Europameisterin Nikola Hartmann-Dünser war aus Österreich angereist, um in Dormagen zu kämpfen, ebenso wie Nadine Tokar (aktuelle 4. EM) aus der Schweiz. Mit Sicherheit wird man etliche Sportlerinnen, die in Dormagen auf die Matte gingen, im kommenden Jahr in Athen wieder sehen.

Russland hatte 13 seiner stärksten Kadettinnen zu diesem FILA-Turnier geschickt. Und auch für Finnland und Spanien gingen Ringerinnen an den Start. Sie wollten eine Standortbestimmung für diese Altersklasse vornehmen – sicher auch schon mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Die alte Verbundenheit mit Frankreich drückte sich durch die Teilnahme von Ringerinnen aus mehreren französischen Vereinen aus.

Während der zwei Turniertage – da waren sich alle Beobachter einig – wurde Frauenringen auf höchstem Niveau demonstriert. Trotz der über Pfingsten herrschenden Hitze schenkten sich die Athletinnen auf den drei Matten nichts: Von insgesamt 312 Kämpfen gingen 125 über die volle Distanz. Ein Zeichen dafür, dass die Leistungsunterschiede bei den Ringerinnen immer geringer werden.

Die Altersklasse der Frauen und Juniorinnen (71 Teilnehmerinnen) wurde von den Kanadierinnen dominiert: Viermal konnten ihre ambitionierten Ringerinnen Gold, Urkunden und weitere Präsente entgegennehmen: Teresa Piotrowski (51 kg), Tonya Verbeek (55 kg), Michelle Richardson (59 kg) und Christine Nordhagen (72 kg) standen am Ende oben auf dem Treppchen. Je zwei weitere Medaillen gingen an Deutschland (Annika Hofmann / 44 kg, Annika Oertli / 67 kg) und Norwegen (Gudrun Hoie / 48 kg; Lene Aanes / 63 kg).

Nur wenig Chancen ließen die russischen Ringerinnen der Konkurrenz in der Altersklasse 1986-88 (81 Teilnehmerinnen): Sie konnten gleich sechsmal die ersten Plätze in den unteren Gewichtsklassen für sich verbuchen. Irina Chelekhova (38 kg), Anna Maximova (40 kg), Irina Danilova (43 kg), Ekaterina Krasnova (46 kg), Olga Guileva (49 kg) und Ekaterina Savclova (52 kg) waren nicht zu schlagen. Zwei weitere Goldmedaillen gingen nach Schweden (Cecilia Skoglund / 56 kg, Helena Allandi / 65 kg), eine nach Deutschland (Julia Weiß / 60 kg) und eine ins französische Tourcoing (Sheherazade Bentorki / 70 kg).

Bei den jüngsten Athletinnen (38 Teilnehmerinnen) überzeugten klar die Schweden: Von zehn ersten Plätzen holten sie sich sechs: Lisa Mattsson (34 kg), Hanna Wennström (38 kg), Sofia Mattsson (40 kg) Nicola Johansson-Andersson (46 kg), Ida Stjernberg (52 kg) Lisa Ahlin (60 kg). Die übrigen vier Goldmedaillen blieben in Deutschland: Beate Schander (43 kg / ESV Hansa Lübeck, Tanja Demmel (49 kg / Team Bayern), Jennifer Veelmann (56 kg / KSV Mülheim-Styrum) und Denise Graf (70 kg / Luckenwalder SC).

Beim Gastgeber AC Ückerath verblieben drei Medaillen: Ramona Ballas (46 kg / Kadettinnen 89/90) erkämpfte sich einen zweiten Platz, die beiden Kadettinnen der Altersklasse 86-88 Franziska Liebscher (65 kg) und Lisa Hug (70 kg) wurden Dritte. Franziska Liebscher und Lisa Hug überzeugten Bundestrainer Jürgen Scheibe mit ihren Leistungen so, dass er sie für das FILA-Turnier in Götzis nachnominierte.

In der Gesamtwertung aller Altersklassen verblieb der Hans-von-Zons-Wanderpokal wiederum beim schwedischen Team, das auf 112 Punkte kam und damit vor Deutschland, Russland, Kanada und dem AC Ückerath lag.

Robert Ait Braham, der Beauftragte der FILA aus dem französischen Clermont Ferrand, zog eine äußerst positive Bilanz des Turniers. Besonders beeindruckten ihn der hohe Leistungsstandard der Teilnehmerinnen und nicht zuletzt der einwandfreie Turnierablauf. Auch die eingesetzten Kampfrichter bewiesen Höchstleistungen: Trotz der Vielzahl der Kämpfe in der stark aufgeheizten Halle, die nur durch kurze Pausen unterbrochen werden konnten, trafen sie ihre Entscheidungen so fachkundig und souverän, dass es selten Anlass zu Diskussionen gab. Interessanterweise wurde Bundeskampfrichterin Sonja Kamke vom AC Ückerath von Mr. Braham aufgefordert, einen Finalkampf der Alterklasse Frauen/Juniorinnen zu leiten. Dieses Privileg bleibt ansonsten den Kampfrichtern mit einer internationalen Lizenz vorbehalten.

Die Ückerather selbst sorgten wieder einmal für eine vorbildliche Organisation. Sie bewiesen erneut Kompetenz und zeigten sowohl bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung als auch in der Betreuung der Gäste Professionalität. Flexibilität bei der Behebung kleinerer Probleme, ein offenes Ohr für alle möglichen Wünsche sowie die Freude im Umgang mit den Teilnehmerinnen, Betreuer/innen und Funktionären zeichneten sie als Gastgeber aus, was auch in kurzen Reden von Dormagens Bürgermeister Reinhard Hauschild und Schirmherrn Rudolf Esser (Energieversorgung Dormagen) beim städtischen Empfang zum Ausdruck kam.

Inzwischen hat das Hans-von-Zons-Turnier als einziges FILA-Turnier für Ringerinnen in Deutschland einen so hohen Stellenwert erreicht, dass bereits jetzt mit der Planung für 2004 begonnen werden muss – zumal dann wenige Monate vor der olympischen Premiere ein Leistungstest dieser Stärke von besonderer Bedeutung sein dürfte. Gerade dies sollte auch den Deutschen Ringerbund und den Ringerverband NRW veranlassen, dem internationalen Frauenturnier eine noch größere Aufmerksamkeit zu widmen.

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